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Per Du mit Väterchen Frost

storchenschrittBericht: WinterWeitWanderung vom 27. Januar 2007 

 

"Ist ein Plan auch gut gelungen, schon verträgt er Änderungen."

Offensichtlich waren die rituellen Schneetänze nach historischem Vorbild der Ur-Älbler zu viel des Guten, denn über mangelndes Weiß konnten die wenigen Mutigen auf der diesjährigen traditionellen WinterWeitWanderung nicht klagen.

So wurde leider der ursprünglich geplante Tourverlauf Opfer von wadenhoch im Schnee versunkenen Wanderwegen und in Böen waagerecht fliegenden Schneeflocken.

Geplant war die Wanderung vom Bahnhof Oberlenningen ab über Gutenberg, das Donntal hinauf, am Römerstein entlang, südlich weiter nach Zainingen, von dort über den ehemaligen Truppenübungsplatz in das aufgelassene Gruorn, über Trailfingen und die Trailfinger Schlucht hinunter nach Seeburg und als "Endspurt" das Ermstal abwärts nach Bad Urach. Dies war der Plan. Lediglich fünf Wetterstrotzende wollten sich  Samstags morgens um halb Neun den 35 Kilometern stellen, und so ging es bei trockenem Winterwetter frohen Mutes auf die Walz. Doch schon das Donntal aufwärts hätten Schneeschuhe hervorragend ihren Dienst getan. Abwechselnd wurde im tiefen Schnee der Weg gebahnt und von innen stellte sich ein schönes nasses Gefühl ein. Noch einmal durchgeschnauft, inmitten tief-winterlicher Stille, denn der Albtrauf stand jetzt direkt vor uns. Der Waldweg hinauf zur Ruine Sperberseck war entgegen aller Hoffnungen genau so tief unter dem Winterkleid verborgen wie zuvor die Feldwege, doch Spürnase und Erfahrung fanden den schmalen Fußpfad den Hang hinauf. Die rauhe Alb, ein dreiviertel Jahr Winter, das andere viertel Jahr kalt, machte oben angekommen ihrem Namen alle Ehre und begrüßte die immer noch muntere Truppe mit Böen und Schneegestöber und teils keinen hundert Metern Sicht. Gerade noch war der Weg durch Leitpfosten zu erkennen, der Marschkompass steckte schon griffbereit in der Jackentasche. Angesichts der Frage, ob das Wetter überhaupt besser werden würde, wie der nicht markierte Weg über den Truppenübungsplatz zu finden wäre, und ob in den tiefen Schneemassen überhaupt an ein nennenswertes Vorankommen zu denken wäre, war schnell klar, dass die Tour einer Umdisponierung bedarf. Ganz flexibel und einvernehmlich wurde die WWW 2007 zu einer gekürzten Rundwanderung umgewidmet, das nächste erklärte Ziel wurde die Schutzhüttewarmes_essen auf dem Römerstein.
Wanderparkplätzen und geräumten Straßen waren auch erste Anzeichen zivilisatorischer Einflüsse erkennbar. Nach ergiebigem Dampfablassen stand nun das ersehnte Mittagessen auf dem Plan. Das Buffet mit Wurst, Dort angekommen hatte sich das Wetter wieder versöhnlicher gezeigt und in der Nähe von Käse, Obst, Gemüse, Wecken, Müsli- und Schokoriegeln, Limonade, heißem Tee plus Additiv und frischen heißen Saiten wurde von anderen Genusswanderern neidisch beäugt.
Nach diesem gediegenen Mahl führte der Weg querfeldein über verschneite Felder zur Pfulb bei Schopfloch, wo es mit den Organisatoren der "Talentiade" eine Diskussion darüber gab, ob der ausgeschilderte Wanderweg im Winter ein eben solcher oder eine Skipiste sei.
Ein winterlich-märchenhaftes Abenteuer war der Abstieg durch die Klinge hinunter an die Lauterquelle bei abstieg Gutenberg. Von dort ging es auf gut bekannten Wegen zurück nach Oberlenningen, wo die Abschlusseinkehr im "Adler" zur Freude des Wirtes wie der Teilnehmer einem unkonventionellen aber wunderschönen Wandertag den letzten Schliff gab.
Unter dem Strich schlug die Tour mit 21 Kilometern und 975 Höhenmetern zu Buche. Zu aller Trost hatte auch niemand Zweifel daran, dass diese 21 Kilometer genau so anstrengend waren, wie die geplanten 35.

Auf ein Neues im nächsten Jahr, zur Not mit Schneeschuhen!


Text: Florian Engster

Bilder: Olly Arnold und Markus Wesemeier