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Rock and Roll - Tanz auf den Vulkanen

eifeltour1Mittwoch, 16. Mai 2007, am späten Nachmittag

Prolog

Mit Höchstgeschwindigkeit und uns fünf Albvereinsjugendlichen an Bord jagt der verspätete Express-Bus von Koblenz über die kaum befahrene Autobahn Richtung Luxemburg. Der heftige Gewitterregen hat aufgehört und für klare Sicht gesorgt.

Die Erhebungen der Vulkaneifel rücken näher. Wir haben unser Ziel vor Augen und viele Fragen im Gepäck: Stimmt die Theorie, dass Ameisenvölker aus der Eifel fliehen, weil ein Vulkanausbruch unmittelbar bevor steht? Ist der Lieserpfad wirklich der schönste Wanderweg der Welt? Wird Schalke 04 deutscher Meister?


Donnerstag, 17. Mai (Christi Himmelfahrt)
Lieserpfad I


Daun ist die pulsierende Vulkaneifelmetropole mit eigenem Kfz-Kennzeichen (DAU) und Heimat des Dauner Sprudels. Auf einer bewaldeten Anhöhe oberhalb der Mineralquellen liegt die „Eifelmaar-Jugendherberge“. Es ist noch kühl und neblig-feucht, als wir dort atmungsaktiv verpackt unsere Etappentour beginnen. Zum Warmwerden umrunden wir zunächst zwei der drei Dauner Maare. Das Gemündener und das Weinfelder Maar, auch Totenmaar genannt. Dicht nebeneinander liegen sie versunken in der wald- und felsenreichen Landschaft. Kreisrund, gespenstisch ruhig und unergründlich tief. Da auch die Badestelle heute witterungsbedingt ausgestorben ist, machen wir uns gleich auf die Suche nach dem rechten Wanderweg, dem Lieserpfad. Erstmals fallen uns die eigenwilligen Wegmarkierungen des Eifelvereins auf. Wir beschließen, sie möglichst zu ignorieren.
eifeltour2 Bald hören wir das Rauschen der Lieser. Solange wir dem Flusslauf folgen, können wir nicht falsch sein. Zur Mittagszeit gelangen wir an eine malerisch gelegene Mühle mit Gastwirtschaft und kehren ein. Kaum angekommen, fängt es auch schon an zu schütten. Als wir wieder aufbrechen, hört der Regen auf. Wir tauchen in den tropfenden Wald ein. Das Liesertal wird nun zusehends enger und kurviger. Nach rund 20 km erreichen wir Manderscheid bei Sonnenschein.
Manderscheid ist ein Heilklimatischer Kurort in toller Lage über zwei gewundenen Flusstälern mit Kurpark, Maarmuseum und Premium-Jugendherberge. Letztere ist für zwei Nächte unser Basislager. Sie überzeugt uns durch ein leckeres Speisenangebot und ihr Tischfussballgerät. Der Herbergsvater ist ein optimistischer Schalke-Fan. In der Herberge sehen wir viele Gruppen wieder, denen wir schon im Maarmuseum begegnet sind. Neben beruhigenden Hinweisen auf noch bewohnte Ameisenhaufen in der Umgebung haben wir dort auf höchst anschauliche Art das theoretische Rüstzeug für unsere morgige Tagestour bekommen - den Tanz auf den Vulkanen.


Freitag, 18. Mai
Tanz auf den Vulkanen


Etwa 25 km durch einen geologisch abwechslungsreichen Teil der Vulkaneifel liegen vor uns. Gleich neben der JH begegnen wir einem Fuchs und folgen ihm ins schattige Tal der „Kleinen Kyll“ um anschließend die wildromantische Wolfsschlucht über schroffe Basaltbrocken wieder ins Sonnenlicht hinaufzusteigen. Oben angekommen machen wir einen Abstecher durch eine Lavagrube - wo gibt es sonst kostenlose Souvenirs für die Daheimgebliebenen?eifeltour3
Wir steuern auf den Mosenberg zu, den ersten von fünf Vulkankegeln, die hier in einer Kette liegen. Vom Aussichtsturm werfen wir einen Blick auf unser Wandergebiet: Wälder, Felder, Vulkankegel, tiefe Einschnitte der Flüsse Kyll und Lieser und das größte aller Eifelmaare, das Meerfelder Maar. Dort wollen wir heute noch hin. Erst kommt noch der Windsbornkrater mit dem einzigen Bergkratersee nördlich der Alpen. Wir überholen eine zum Wandern genötigte Schulklasse und besetzen den Aussichtsfelsen am Kraterrand um zu vespern. Drei km weiter liegt wie in einer Suppenschüssel mit einem Durchmesser von 1.700 m und einer Tiefe von 200 m der Ort Meerfeld. Wer aus dem Maar raus will, muss erst mal steil hinauf. Wir schöpfen Kraft am Dorfbrunnen, steigen am Steilhang des Maars hoch zum „Landesblick“, wieder steil runter und lassen uns dann am Ufer des Maarsees nieder. Sechs km später erreichen wir das Schlemmerbüffet in Manderscheid.

Samstag, 19. Mai
Lieserpfad II


In Manderscheid stehen unmittelbar nebeneinander zwei eindruckvolle Burgruinen. Um beide auf einem Foto zu haben, sollte man - wie wir dies heute tun - den Lieserpfad Richtung Wittlich einschlagen. Ab Manderscheid ist der Lieserpfad wirklich ein schmaler Pfad entlang des Flüsschens Lieser. Anders als der Name vermuten lässt, sieht man die Lieser aber eher selten und es geht auch ständig bergauf und bergab. Der Pfad nimmt nämlich alle Bergnasen mit und so kommt man bei einer Wegstrecke von ca. 26 km auf unwahrscheinlich viele zurückgelegte Höhenmeter. Zudem ist man fernab jeglicher Zivilisation mitten im eifeltour5 dichten Wald, der zu dieser Jahreszeit alle denkbaren Grüntöne aufbietet. Wir gehen früh am Morgen los und erst gegen Mittag treffen wir auf Wanderer, die sich morgens in Wittlich auf die Socken gemacht haben.
Die Zeit drängt etwas, weil gerade heute der letzte Bundesligaspieltag ist. Vor dem Anpfiff werden wir von der „Alten Pleiner Mühle“ aufgehalten, der einzigen Gastwirtschaft auf dieser Etappe, wo es samstags, also heute, „Schorles“ gibt. Das ist nichts zu trinken, sondern eine regionale essbare Spezialität aus rohen Kartoffeln und Speck mit kaiserschmarrnähnlichem Aussehen. Nun sind es nur noch sechs km bis Wittlich. Während wir gründlich duschen, wird der VfB Meister. Ganz Wittlich ist aus dem Häuschen. Das liegt aber eher daran, dass heute das jährliche Weinfest stattfindet. Wir sind dabei.

Sonntag, 20. Mai
Der Calmont-Klettersteig


Unweit von Wittlich liegt an einer Moselschleife der angeblich steilste Weinberg Europas, der Calmont. Selbstlose Winzer haben für verwegene Wanderer einen Klettersteig angelegt, den man hier nicht vermutet hätte. Er beginnt direkt am Bahnhof Ediger-Eller und führt - für württembergische Verhältnisse undenkbar - mitten durch die Rebstöcke. Der heutige Tag ist bestens geeignet, um zu erleben, warum Calmont übersetzt „heißer Berg“ heißt. Wir sind zwar morgens um 9 Uhr mit die ersten auf dem Steig, kommen aber im eifeltour7felsigen und schattenarmen Terrain mächtig ins Schwitzen. Glücklicherweise hat ein Winzer auf dem Gipfel hoch über der Mosel einen Stand geöffnet und verkauft Dauner Sprudel und Produkte vom Calmont; ein Alphornbläser spielt dazu. Auf dem Rückweg, einem „normalen“ Höhenpfad, treffen wir auf moseltypische Kegelvereine und eine Calmont-typische Schlingnatter, die sich schnell verkriecht.
Die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges verbringen wir in einer lauschigen Straußenwirtschaft in Eller und kommen ins Grübeln: Ist der Manderscheider Herbergsvater noch immer Schalke-Fan? Woran, wenn nicht an fliehenden Ameisen, erkennt man einen bevorstehenden Vulkanausbruch? Geht es wirklich schon wieder nach Hause?

Jens Göhler