Jungs Wandern 2006
gps1Um die Jungs und Mädels unserer Kinder- und Jugendgruppen (OG Bietigheim) zum Wandern zu motivieren haben wir (zwei von vier JuLeis) uns zur FoBi „Junges Wandern“ angemeldet. Um es schon mal vorweg zu nehmen: Es war ein voller Erfolg. sonnenuntergang

 

Zu einer ungemütlichen Zeit (Samtstag, 11.11., 9.00 Uhr) trafen wir uns bei ungemütlichem Wetter (kalt und stürmisch) an einem ungemütlichen Ort (Wanderparkplatz unterhalb der Burg Teck). „Wir“ hieß in diesem Fall 17 Leute zwischen „U 20“ und „Ü50“ sowie die Kursleiter Florian und Dirk.
Nach einer kurzen Begrüßung starteten wir stilecht durch, sprich: Mit geschultertem Gepäck mussten wir den Weg hoch zur Teck selbst finden.harter_aufstieg Dieser war durch mehrere kleine „Albärts“ (Sicherheitsreflektor, verschiedene Farben, 90 ct) markiert und führte uns natürlich nicht auf dem gemütlichen Allerweltsweg, sondern auf schmalen, steilen Zickzackwegen, mit einem kleinen Abstecher zu einer windgeschützten Höhle, zum Ziel.
Bei der obligatorischen Vorstellungsrunde konnte jeder seine Erfahrungen und Erwartungen kundtun und sich nebenbei mit Kaffee und Butterbrezeln stärken. In der anschließenden Theorie-Stunde beantwortete Christian in seiner interessanten Power-Point-Präsentation alle Fragen von uns Null-Wissern über GPS und Geocaching. Ich wusste nun Bescheid über Waypoints, Logbücher, Muggels, Travel Bugs, Hints und Tradis, wusste wie das theoretisch funktioniert, was es kostet und dass man alles bei der Geschäftsstelle ausleihen kann, aber dass ich das Gelernte in die Praxis umsetzen kann, bezweifelte ich stark. Nach dem Mittagessen kam dann die Stunde der Wahrheit: Je zwei oder drei Leute teilten sich ein GPS-Gerät und so konnte jeder Mal probieren. Koordinaten eingeben, vergleichen, OK, GO TO!! Eigentlich ganz einfach. Zeigtschatz doch  der Pfeil auf dem Gerät die Marschrichtung und die Entfernung zum Cache an. Doch was mache ich wenn sich in Pfeilrichtung ein steiler Abhang befindet oder ähnliches?? Natürlich Verstand einschalten, kurz besprechen und eine (hoffentlich richtige) Entscheidung treffen. Ob die Entscheidung tatsächlich richtig war merkt man bald. Bei uns war´s so, denn wir haben alle Caches gefunden. Ein echtes Erfolgserlebnis.
Unterwegs kamen wir auch an der Veronikahöhle vorbei, und so konnte jeder der wollte so „ganz nebenbei“ Höhlenerfahrung sammeln. Der Einstieg war zwar etwas eng, aber, dank eingeschalteter Taschenlampen, völlig problemlos. Im Innenraum suchte sich jeder ein sicheres Plätzchen und dann hieß es: „Licht aus.“ Trotz Brille (war die überhaupt noch da?) und „Augen aufreißen“ sah ich absolut nichts. Nur totale Dunkelheit. So dunkel war`s in meinem Leben noch nie. In die Stille und Dunkelheit hinein erzählte uns Dirk eine kurze Geschichte zum Nachdenken (ein Lob an deine angenehme Stimme) und brachte uns dann mit einem einfachen Spiel dazu, miteinander zu reden und uns vorsichtig zu bewegen. Nun mussten wir ohne Licht den Ausstieg aus der Höhle finden. Zuerst war ich davon überzeugt, dass dies schlicht unmöglich sei. Doch mit Hilfe des eigenen Tastsinns und der Gruppe fand doch tatsächlich jeder den Weg. Ich war sehr erleichtert als ich den ersten Lichtschein erkennen konnte und freute mich über die „Freiheit“. Aber irgendwie war´s in der Höhle auch ganz gemütlich, weil windstill und viel wärmer als draußen.
Wir machten uns auf den Rückweg zur Teck um uns aufzuwärmen und zu stärken. Gegen 20.30 Uhr ließen sich jedoch fast alle auf  das vorletzte Abenteuer des Tages ein: eine Nachtwanderung. Mit Knicklichtern „bewaffnet“ fanden wir den Weg in die Nacht und jeder lernte auf dem Rückweg das Gefühl kennen: „Ich bin allein in einer stürmischen Nacht im Wald aber bald holt mich der Florian und die Gruppe ab.“ Tatsächlich wurden alle wieder eingesammelt und viele waren überrascht welche Streiche einem die Phantasie (oder die Angst?) spielen kann. Zurück auf der Teck wartete das allerletzte Abenteuer auf uns, nämlich ein 6-Bett-Zimmer für die Frauen und ein 11-Mann-Matratzenlager für die Männer. Aber auch das war nicht wirklich ein Problem.
Am nächsten Morgen durften wir uns nach einem kleinem „Anschuggerle“ (bei peitschendem Regen) am Frühstücksbuffet stärken. Anschließend erklärte und zeigte uns Florian sehr geduldig kompass_anpeilenwie man einen Kompass benutzt. (Ich weiß jetzt, dass eine Marschzahl keine Entfernung ist, sondern eine Richtung und nehme mir vor, ab und zu den Asperg oder ähnliches anzupeilen um nix zu vergessen.) Jetzt sollten wir die Kirche von Owen und den Hohen Neuffen anpeilen und jedem war ein Erfolgserlebnis  vergönnt. Wieder in der guten Stube stand das Thema „Interaktive Streckenplanung mit CD-Rom“ auf dem Plan. Nun erwachten die Technik-Freaks unter uns zum Leben und es entstand eine lebhafte Diskussion. Für viele von uns war auch dieser Teil des Lehrgang sehr interessant, da ich aber ein Anti-Technik-Mensch bin (Ich benutze mein Handy nur in Notfällen und nur zum Telefonieren und ich blättere lieber in Katalogen als im Internet zu surfen), fehlte mir schon nach kurzer Zeit der Durchblick. Umso mehr beeindruckte mich das Ergebnis: Die geplante Route wurde auf die GPS-Geräte kopiert und zusammen mit Wanderkarte und Kompass setzten wir alles erfolgreich in die Praxis um.
Bei der Abschlussbesprechung des Lehrgangs wurde klar: Die Erwartungen der Teilnehmer/innen sind erfüllt.  Jeder hat tatsächlich etwas gelernt, sprich, nimmt Informationen mit nach Hause, aber erst durch die praktische Anwendung ist der Einzelne  motiviert, das auch in die Jugendarbeit einfließen zu lassen. GPS, Kompass und Karte werden mit Sicherheit in Zukunft ein Thema in unseren Jugendgruppen, jedenfalls in Bietigheim,  sein. Genauso wichtig ist für die meisten Teilnehmer/innen und auch für mich der Erfahrungsaustausch mit anderen Jugendleiter/innen, die kleinen (aber feinen) Tipps nebenher und neue nette Leute kennen zu lernen. Für mich persönlich ist es aber auch erfreulich, die Gesichter und nicht nur die Namen der Geschäftsstelle zu kennen und zu wissen, dass es nette Leute sind.
Es war ein tolles, erlebnisreiches Wochenende in einer rauhen aber schönen Umgebung.

Heidi Pregitzer